Meinung des Tages: Sollte die Union die Brandmauer zur AfD aufgeben, wie von manchen Unionspolitikern gefordert?

Nein, Brandmauer muss bestehen 47%
Ja, Brandmauer aufgeben 45%
Andere Meinung 5%
Ja, aber rote Linien setzen 3%

348 Stimmen

12 Antworten

Ja, Brandmauer aufgeben

Eine politische "Brandmauer" bedeutet, dass man bestimmte Meinungen aus dem Diskurs ausschließt. Das mag z.B. bei antideokratischen Ansichten sinnvoll sein, wenn man jedoch die Ansichten von 25 bis 40% der Menschen ausschließt, hat das nichts mit Demokratie zu tun.

Es gibt bei der AfD ebenso Extremisten wie auch bei den Grünen, der LInken und der SPD, wie man an der Kooperation mit der Antifa sieht, oder an der Meinung der LInken, dass man "Reiche" in Arbeitslager stecken soll.

Einige Positionen der AfD sind ja sinnvoll, z.B. die Abschiebung krimineller Ausländer. Niemand in der AfD sagt, das alle Ausländer kriminell sind. Es gibt auch in Deutschland Probleme, die man z.B. in Polen oder Ungarn nicht hat - dort gibt es keine Absperrungen oder Sicherheitskontrollen bei Weihnachtsmärkten oder Freibädern, und Juden können sich dort frei und sicher bewegen. Über diese Dinge muß man reden können, und genau diese Diskussion wird von den Altparteien nicht geführt. Wenn die SPD oder andere das verhindern, dann muss es im Einzelfall auch eine gemeinsame Abstimmung mit der AfD geben.

Sollte die Union eine reformierte Brandmauer durch „rote Linien“ ersetzen?

Ja, in jedem Fall; sonst macht die CDU sich zum Handlanger linker Politik, und dann wird sie überflüssig.

Wo liegt die Grenze zwischen demokratischer Kooperation und moralischer Kapitulation?

Politik hat die Positionen verschiedener Teile der Bevölkerung zu berücksichtigen und ernst zu nehmen, es ist nicht ihre Aufgabe, "Moral" festzulegen. Die Grundlage einer Demokratie ist nicht die "Moral" Einzelner, sondern das Recht.

In welchen Fällen (z. B. Asylrecht, Innenpolitik) könnte eine taktische Zustimmung der AfD besonders problematisch sein?

Ich sehe es eher als problematisch an, die Themen, die die Menschen bewegen, zu verschweigen.

Ja, Brandmauer aufgeben

Die Brandmauer wurde 2014 "errichtet" (bzw. fiel dort zum ersten Mal auf die AfD bezogen dieses Wort, verwendet vom damaligen CDU-General Andreas Scheuer) - zu der Zeit war die AfD noch einstellig. Seitdem wurde sie von Partei zu Partei immer höher und dicker gebaut ... und das Ergebnis? Die AfD ist in manchen Umfragen dicht an den 40(!) Prozent Zustimmung (LTW Sachsen-Anhalt) angelangt. Insofern erinnert mich das Festhalten an der Brandmauer an das tote Pferd aus der Lakota-Weisheit - nur mit dem Unterschied, dass die Parteien noch nicht gemerkt haben, dass sie ein totes Pferd reiten.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Andere Meinung

Es kommt drauf an, wie man es betrachtet.

Moralisch ist wäre es sicherlich falsch, die Brandmauer aufzugeben.

Staatspolitisch betrachtet führt langfristig gesehen kein Weg daran vorbei. Sobald die AfD auf 30+ Prozent klettert, droht eine Sperrminorität. Tiefgreifende Änderungen, die eine zwei Drittel Mehrheit brauchen, werden ohne die AfD unmöglich. Koalitionen sind auch schon so gut wie nicht mehr umsetzbar. Nach aktuellen Umfragen müsste es eine Schwarz-Rot-Grün Koalition geben, um weiterhin die AfD zu verhindern. Mehr Konfliktpotential, mehr Streit, mehr Misstrauen, mehr Stimmen für die AfD.

Es ist eine Negativ-Spirale, aus der man sich eigentlich nicht mehr retten kann. Schon jetzt drohen in Ostdeutschland absolute Mehrheiten für die AfD.

Die Partei auszugrenzen und darauf hoffen, dass es sich schon irgendwie verfliegt; dass es nur eine, mit der Krise 2015 einhergehende, temporäre Erscheinung ist, war ein Fehler.


Aylamanolo  17.11.2025, 14:15

eine Partei nicht auszugrenzen und darauf hoffen, dass sie sich schon irgendwie in Richtung Demokratie verändert, war schon 1933 ein FEhler.

Ja, Brandmauer aufgeben

Ganz klar sollte die Bandmauer fallen. Mit jeder Partei im Parlament sollte man koalieren können. Das gehört letztendlich auch dazu. Wie die Koalition ausfallen, ist weitgehend auch davon abhängig wie "gut" das Angebot der jeweiligen Parteien ist. Letztendlich kann auch die SPD eine Koalition zwischen AfD und CDU verhindern, indem sie einfach ein stärkeres Angebot macht.Letztendlich profitiert sie von der Brandmauer am meisten und verzerrt so die Abbildung des politischen Stimmungsbildes.

Generell würde ich zudem deutlich weniger Parteipolitik sehen wollen. Jede Partei macht auch gut Vorschläge und sprechen Kritik an. Die Stärke der deutschen Demokratie war es, dass die Parteien zusammengearbeitet haben und so das Produkt deutlich besser geworden ist. Aktuell scheint es viel wichtiger zu sein, wer etwas sagt und nicht was er sagt. Nur wer die guten Vorschläge der anderen Partein wertschätzt, kann glaubhaft die schlechten kritisieren. Ich glaube das macht aktuell auch die AfD so stark. Sie können sich wunderbar gegen Kritik immunisieren.

Ich Auswahl "Rote Grenzen setzen" halte ich für gleichbedeutend mit "die Bandmauer aufgeben". Eine Partei entscheidet, was sie mit trägt und was nicht. Sie macht also die roten Linien sowieso.

Ja, Brandmauer aufgeben

Durch die Ausgrenzung/Brandmauer werden die Stimmen und Meinungen ganz vieler deutscher Bürger ignoriert, und das darf nicht sein.

Man kann von der AfD halten, was man will. Aber man kann doch wenigstens den Dialog suchen und gemeinsam Lösungen finden. Da braucht es aber von beiden Seiten Offenheit.