Meinung des Tages: Viele Festnahmen in der Silvesternacht - Forderungen zu Neuregelungen im Umgang mit Alkohol werden laut. Was denkt Ihr darüber?
(Bild mit KI erstellt)
Die Bilanz der Neujahrsnacht 2026 liest sich wie ein Einsatzprotokoll: Hunderte Festnahmen und verletzte Beamte führen nun zu einer Debatte über Verbote, die über das reine Böllern hinausgehen.
Bilanz der AusschreitungenIn der vergangenen Silvesternacht kam es in deutschen Großstädten erneut zu massiven Zwischenfällen. Allein in Berlin meldete die Polizei über 400 vorläufige Festnahmen, wobei vor allem Angriffe mit Pyrotechnik auf Einsatzkräfte im Fokus standen. Laut offiziellen Berichten von Polizei und Medien wurden Dutzende Beamte durch Böllerwürfe verletzt. In diesem Zusammenhang warnen Experten und Gewerkschaften immer wieder davor, dass der unkontrollierte Konsum von Alkohol an Hotspots die Hemmschwelle für solche Gewaltakte massiv sinken lässt. Auch viele Verletzungen seien auf die Kombination von Pyrotechnik und Alkohol zurückzuführen.
Prävention durch VerboteUm solche Szenarien in Zukunft zu verhindern, fordern Sicherheitspolitiker und Polizeigewerkschaften verstärkt Alkoholverbotszonen für öffentliche Plätze an Feiertagen. Das Argument: Wo nicht getrunken wird, sinkt das Potenzial für spontane Aggressionen und Respektlosigkeiten gegenüber Rettungskräften.
Auch wer böllert, soll keinen Alkohol trinken dürfen, so die Forderung.
Kritiker solcher Maßnahmen geben zu bedenken, dass die Polizei bereits jetzt personell überfordert ist, die Einhaltung von Böllerverboten zu kontrollieren. Ein zusätzliches Alkoholverbot würde weitere Kapazitäten binden und das Problem möglicherweise nur in weniger bewachte Seitenstraßen verdrängen.
Unsere Fragen an Euch:- Was ist laut Eurer Meinung der Hauptgrund für die Silvester-Gewalt?
- Wie beurteilt Ihr die Arbeit der Polizei bei über 400 Festnahmen?
- Was könnte alternativ getan werden, um die "Stimmung" an Silvester weniger aufgeheizt zu machen?
Viele Grüße
Euer gutefrage Team
213 Stimmen
47 Antworten
Verbotszonen werden den gewünschten Effekt nicht bringen. Das Problem muss letzten Endes viel tiefer an der Wurzel gepackt werden und führt wieder zur altbekannten Grundsatzdiskussion. Alkoholkonsum wird im Sinne einer alteingesessenen Volksdroge hierzulande bagatellisiert bishin zu verherrlicht. Und dies wird von Generation zu Generation schon im häuslichen Umfeld konsequent derart weitergetragen.
Ein markantes Beispiel im vergangenen Jahr war das einer offensichtlich alkoholkranken Arbeitskollegin eines Freundes, die im Büro mit ihrem abendlichen Weinkonsum geprahlt hat und von ihren männlichen Kollegen dafür regelrecht bejubelt und angefeuert wurde. Hätte diese Angestellte dagegen erzählt, dass sie sich am Vorabend eine Nadel Heroin gesetzt hätte, wäre sie ihren Job losgewesen.
Solange sich diese grundsätzliche gesellschaftliche Geisteshaltung nicht ändert, wird jedes Problem bestehen bleiben.
lg up
Herzlichen Dank, dass Du Deine Perspektive mit uns geteilt hast!
Silvester ist nur ein Tag im Jahr, an dem sich grundlegende gesellschaftliche Probleme besonders radikal zeigen. Daher halte ich wenig davon, nur einen Aspekt herauszugreifen und darauf zu hoffen, dass man damit das ganze Problem in den Griff bekommt.
Ich denke, bei dieser Frage sind verschiedene Ansätze gefragt:
Grundsätzlich brauchen wir einen anderen Umgang mit dem Thema Alkohol.
Ich selbst bin damit aufgewachsen, dass mein Onkel und mein Großvater sich bei jeder Familienfeier eine Kiste Bier geteilt haben (die beinhaltete damals 30x 0.33l). Auch auf Dorffesten wurde immer gesoffen. Natürlich nie bloß 1 oder 2 Bier am Abend. Die meisten Männer und auch einige Frauen hatten offenbar immer das Ziel, sich einfach nur die Kante zu geben. Ebenso war es beim Sportverein und bei der freiwilligen Feuerwehr. Überall Unmengen Alkohol. Die meisten meiner Freunde haben mit 13 oder 14 ihre ersten Erfahrungen mit dieser Droge gemacht und waren zumindest im Alter von 15-20 jedes Wochenende völlig betrunken (ich leider auch). Gelegentlich gab es kleinere Schlägereien und meistens herrschte ab einer bestimmten Uhrzeit ein ziemlich rauer Ton. Im Fußballstadion war und ist es auch nicht anders. Wer einmal mit den Öffis in ein großes deutsches Stadion (z.B. Westfalenstadion/Signal Iduna Park) gefahren ist und die Menschen in den Zügen/Bussen, der U-Bahn und im Stadion selbst erlebt hat, weiß wovon ich rede. Nicht umsonst gibt es bei Bundesligaspielen in der Regel ein großes Polizeiaufgebot, erst recht, wenn Spiele wie Gladbach gegen Köln, Bayern oder Schalke gegen Dortmund, etc. anstehen.
Aus meiner Sicht ist Alkohol zu billig und es ist falsch, dass er wirklich immer und überall verfügbar ist (zur Not in der Tankstelle). Es wäre gut, wenn auch Bier und Wein erst ab 18 wären, ein Bier mindestens 3 Euro und eine Flasche Wodka mindestens 40 Euro kosten würden. Außerdem sollten alkoholische Getränke (v.a. Hochprozentiges) nur noch in speziellen Geschäften verkauft werden dürfen und das nur tagsüber. Werbung für alkoholische Getränke sollte vollständig verboten werden.
Das andere Thema, das mit Alkohol eng zusammenhängt, ist die Aggressivität. Hier bräuchten wir einen kulturellen Wandel. Weg von Konkurrenz, Wettbewerb und Ausgrenzung, hin zu Kooperation, Inklusion und Mitgefühl. Dafür braucht es in erster Linie Vorbilder. Es wäre schön, wenn die Politikerinnen und Politiker hier einen Anfang machen würden. Allerdings geschieht gerade so ziemlich das Gegenteil.
Danke, dass Du uns Deine Sicht der Dinge so ausführlich mitgeteilt hast!
Wer Rettungs- bzw. Einsatzkräfte angreift, gehört ins Gefängnis und zwar für Jahre, nicht für Monate und schon gar nicht auf Bewährung.
Dem kann ich nur zustimmen! Und nicht nur an Silvester, habs schon so oft gesehen dass nach einem Sturm die Straßen voller Bäume sind. Aber es gibt immer wieder die Leute die,die Einsatzkräfte beschimpfen und schlimmeres. Dann fahren die durch die absperrung und stehen im Weg. Oder wollen gar durch die liegenden Bäume fahren.
Bei alten Bomben im erdreich ist es das selbe.
Solange in diesem demokratischen Rechtsstaat Gewalt toleriert wird, wird sich nichts ändern.
Selbst die 400 Festnahmen in Berlin werden ja wieder freigelassen und setzen ihr Unheil spätestens zum nächsten Silvester fort, meist schon vorher.
Ja aber leider ist es so, das bei Straftaten die Androhung und die damit verbundene Höhe der Strafe nicht zum Erfolg führt. D. h. Derjenige der eine strafbare Handlung begeht, geht nicht davon aus, erwischt zu werden. Speziell dann wenn Alkohol im Spiel ist. Erst die Durchführung der Bestrafung ohne Bewährung führt möglicherweise zum Nachdenken. Wie jetzt gefordert eine mindest Strafandrohung von 1 Jahr bei Angriffen gegen Rettungskräfte. Das würde auch bedeuten, das diese Straftat ein Verbrechen und kein Vergehen mehr ist.
Jedes Jahr berichtet die Blödzeitung als erstes darüber, wie viel junge Menschen sich erfolgreich aus dem Leben gesprengt haben und wir diskutieren nicht mal ernsthaft darüber, ob wir Böllern radikal verbieten?
Leute, ernsthaft? Der erste, der mir mit "Tradition" kommt.. Robben klatschen, Walfang und anderer grausamer Unfug war auch Tradition und wurde aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung verboten! Und das ist verdammt gut so!
Wenn ich sehe, wie viele Leute in der NA jedes Silvester aufschlagen, mit immer den gleichen Verletzungen, dann sollte uns doch verdammt nochmal endlich ein Licht aufgehen.
Alkohol ist da und das ist meine Meinung, zwar auch ein Thema, aber nicht die Hauptursache. Generell wäre ich aber dafür, dass die Strafen gegen solche Leute drastisch erhöht werden, so dass man es sich mehrfach überlegt, ob man Probleme verursachen will.
Wir sollten Alkohol verbieten, wird nur nie geschehen, auch wenn sich so viele Leute totsaufen oder Familien durch diese Sucht zerstören, aber das ist ein völlig anderes Thema.
Dennoch: es sterben so viele Tiere aufgrund von Schocks und Panik, der Feinstaub ist hochgradig schädlich usw. es gibt so viele Argumente gegen die Knallerei, völlig davon ab, dass es die Mehrheit der Bevölkerung einfach nur noch nervt.
Wenn die Petition der GdP innerhalb kürzester Zeit über 3 Mio. Unterschriften hat, dann ist dies nicht nur eine Minderheit, die etwas ändern möchte.
Es sterben jährlich 1-6 Menschen durch Hundebisse. 20000 Vögel durch Hauskatzen. Hunde und Katzen verbieten.
Die zwei mit dem DIY-Kram sind aber ne andere Nummer als massenhaft frei verfügbarer Sprengstoff, den man nur anzünden muss und dann auf Rettungskräfte wirft.
Ob man so dumm ist, sich selbst so in die Luft zu jagen oder ob man Böller als Waffen missbraucht, sind aus meiner Sicht schon zwei Paar Schuhe.
Zum Thema Böller(Verbot) hatten wir auch schon eine Meinung des Tages :)
Oh ja, ständig meinen Leute, Tradition sei ein ultimatives Totschlagargument, dem man absolut nichts entgegensetzen kann und das ALLES rechtfertigt.
Jedes Jahr berichtet die Blödzeitung als erstes darüber, wie viel junge Menschen sich erfolgreich aus dem Leben gesprengt haben und wir diskutieren nicht mal ernsthaft darüber, ob wir Böllern radikal verbieten?
Kein einziger hat sich mit legalen Böllern aus dem Leben gesprengt. Mit legalen Messern wurde dagegen schon viele aus dem Leben gerissen.
Wenn ich sehe, wie viele Leute in der NA jedes Silvester aufschlagen,
Dann liegt das nicht an Feuerwerk höchstens man leugnet die Wissenschaft
Eine im November erschienene Studie der Universität Magdeburg schaut systematisch auf den Jahreswechsel und die Folgen für die Notaufnahmen. Sie fragt unter anderem: Haben die Feuerwerksverbote 2020 und 2021 beeinflusst, wie stark die Notaufnahmen ausgelastet sind?
Ein Ergebnis: Generell gab es keinen Unterschied, ob Böllern verboten war oder nicht. Es kamen in etwa gleich viele Patienten in die Notaufnahmen wie an normalen Wochenenden und blieben ähnlich lange.
Alkohol ist da und das ist meine Meinung, zwar auch ein Thema, aber nicht die Hauptursache.
Ist es aber...
es gibt auch genug Leute die sich tod rasen, verbieten wir deswegen allen das Autofahren?
es gibt auch genug Leute die sich tod saufen, verbieten wir deswegen Alkohol?
es gibt auch genug Leute die sich ihr leben durch Drogen versauen und daran elend zu Grunde gehen, da haben wir zwar vieles verboten, die Leute tun es aber tortzdem
einige Leute wie die zwei toten 18 jährigen sind gestorben, weil sie illegale selbstgebaute Pyrotechnik benutzt haben
das ist etwas, was bereits heute Verboten ist
daran hätte also ein generelles Verbot von Pyrotechnik in Deutschland nichts geändert