Meinung des Tages: Konkurrenz für die Deutsche Bahn - braucht Deutschland mehr private Anbieter wie FlixTrain im Bahnverkehr?
(Bild mit KI generiert)
Endlich echte Konkurrenz auf der Schiene – oder nur leere Versprechen?FlixTrain will den Fernverkehr aufmischen
Die deutsche Bahnlandschaft bekommt Bewegung: Der private Anbieter FlixTrain hat angekündigt, alle 65 neu bestellten Hochgeschwindigkeitszüge ab 2028 ausschließlich in Deutschland einzusetzen und damit dem bisherigen Monopol der Deutschen Bahn echte Konkurrenz zu machen. Diese Züge, gebaut vom spanischen Hersteller Talgo und angetrieben von Siemens-Lokomotiven, sollen ein „Hochfrequenznetz“ zwischen den großen Metropolen schaffen, also regelmäßige, attraktive Verbindungen zu niedrigeren Preisen als bei der Bahn. Schon in den nächsten zwei Jahren will FlixTrain seine Sitzplatzkapazität verdoppeln, indem zusätzliche modernisierte Wagen eingesetzt werden.
Was bedeutet das für Reisende und Wettbewerb?
Für die Menschen, die täglich Bahn fahren, könnte das mehr Auswahl, niedrigere Preise und dichter getaktete Verbindungen bedeuten. Das Unternehmen verspricht, mit ICE-gleichen Geschwindigkeiten (bis zu 230 km/h) unterwegs zu sein – aber günstiger. Aus Sicht von Flix-CEO André Schwämmlein entsteht damit „eine neue Dynamik auf der Schiene“, von der am Ende die Kunden profitieren sollen. Auch die Politik zeigt sich positiv: Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder begrüßt mehr Wettbewerb auf der Schiene und sieht darin einen Beitrag zu einem attraktiveren Bahnangebot.
Chance oder Risiko für Deutschlands Bahnverkehr?
Kritiker betonen, dass Deutschland bislang kaum echten Wettbewerb im Fernverkehr hatte und, dass eine dominierende Staatsbahn wie die Deutsche Bahn in Zukunft stärker unter Druck geraten könnte, sich zu verbessern. Andere warnen auch vor Herausforderungen: hohe Trassenpreise, Infrastruktur-Probleme und hohe Investitionskosten könnten FlixTrain trotz großer Pläne bremsen.
Kurzum: Mehr Konkurrenz kann für bessere Angebote sorgen! Aber ob FlixTrain wirklich in der Lage ist, das Bahnnetz nachhaltig zu verändern, bleibt abzuwarten.
Unsere Fragen an Euch:
- Glaubt Ihr, dass FlixTrain der Deutschen Bahn wirklich Konkurrenz machen kann? Wird das Bahnfahren für uns dadurch günstiger und zuverlässiger?
- Traut Ihr FlixTrain zu, der Deutschen Bahn wirklich langfristig Konkurrenz zu machen?
- Sollte der Staat aus Eurer Sicht stärker auf Wettbewerb setzen oder die Deutsche Bahn gezielt schützen?
- Würdet Ihr für günstigere Tickets auch Einschränkungen bei Komfort oder Service in Kauf nehmen?
- Glaubt Ihr, dass mehr Konkurrenz automatisch zu pünktlicheren Zügen führt?
- Ist Bahnfahren für Euch aktuell eher eine echte Alternative zum Auto oder nur eine Notlösung?
Wir freuen uns auf Eure Antworten!
Euer gutefrage Team
138 Stimmen
37 Antworten
Wir brauchen eine Abkehr von der ständigen Privatisierung und Verlagerung auf den „freien Markt“.
Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Das sollte nicht Profitorientiert sein. Es sollte dem Menschen dienen. Günstig und Effektiv.
Wo siehst du denn bei der DB wie sie heute ist Möglichkeiten Konsument*innenorientiert zu handeln?
Mehr Pünktlichkeit, sauberere Bahnhöfe, attraktivere Preise (es kann nicht sein, dass Inlandsflüge teilweise billiger sind, als Zugverbindungen),…
Dir ist klar dass die DB auch profitorientiert ist?
Genau das schreibe ich doch und benenne es als Problem.
Wenn die Bahn die Staatsbahn bleiben will, muss sie vllt aufhören gewinne erziehen zu wollen und stattdessen lieber dem Staat dienen. Ansonsten sich dem Wettbewerb wie alle anderen auch stellen.
Leider hat die DB für ihre Züge im Ausland gutes Geld - die werden ja auch gepflegt. Nur nicht im Hauptgeschäft welchem sie eigentlich ihre vollste Aufmerksamkeit widmen müssten und Falls dann noch was übrig ist könnten die sich um ihre Strecken in anderen Ländern kümmern.
Die DB möchte den alleinigen Markt als Grundrecht haben aber tut kaum etwas dafür.
Haben wir schon lange hier, funktioniert aber auch nicht anders oder besser als der Rest. Solange die Infrastruktur nicht verbessert wird bringen auch andere Anbieter nichts.
Konkurrenz tut der Bahn sicherlich gut. Ich frage mich nur, wie das koordiniert werden kann. Es gibt eine begrenzte Anzahl an Gleisen, die logischer Weise nur in eine Richtung zur gleichen Zeit befahren werden dürfen.
Kann man einfach so anstelle eines Zugs fünf Züge hintereinander losschicken? Staut sich das dann nicht irgendwo? Ist damit wirklich etwas optimiert worden?
Ohne mir das genau vorstellen zu können halte ich allein aus dem Grund die Idee für gut, weil ein Preiswettbewerb entstünde. Also selbst wenn der Flixzug aktuelle Bahnverbindungen ersetzen würde, wäre das eine gute Sache für den Fahrgast.
Aktuell hat die Bahn ein Monopol. Deswegen kann sie die Preise nahezu beliebig gestalten, solange eine Fahrt pro Person günstiger ist als beispielsweise mit dem Auto. Sie braucht sich auch nicht modernisieren. Verdient sie nicht mehr durch. Sie kann ruhig mal ein paar Minuten zu spät kommen. Wer damit nicht klar kommt, hat eben Pech gehabt. Usw.
Durch die Konkurrenz wird die Bahn sich nicht mehr so viel heraus nehmen können.
Wir wissen aus Erfahrung, dass letztlich nur Gewinne privatisiert und Schulden solidarisiert werden. Ein Konkurrenzsystem lediglich zweier Konzis wird sich letztlich für die Bevölkerung nur zum Schlechteren wenden.
Die Schein-Privatisierung der Bahn war im Prinzip das Schlimmste, was ihr geschehen konnte. Denn wie bei jedem privatisierten Sektor werden sofort im Rahmen von "Kostenoptimierungsprogrammen" sämtliche Investitionen auf ein Minimum reduziert, da nun die staatlichen Auflagen, die die Bahn bislang zwangen, die Infrastruktur der Bahn flächendeckend in Schuss zu halten, ausgesetzt werden konnten.
Die Probleme, die wir heute mit der Bahn haben, fingen nach der Wiedervereinigung und der Integration der DDR-Bahn an. Hier wurden ganze Vorstände und hohe Posten schlichtweg ausgetauscht. Das war wohl Teil des Wiedervereinigungs-Deals. Die unfassbar hohen Investitionen und Verschuldungen und das jahrzehntelange Missmanagement haben die Bahn in genau den desolaten Zustand getrieben, mit dem wir uns heute herumplagen müssen.
Die Unpünktlichkeit z.B. durch defekte Weichen, durch niederfallende Äste und Schneeverwehungen entstehen nur infolge der gewaltigen Einsparungen in der Streckenpflege. Dass die dicht befahrenen Trassen größtenteils nur 2 Spurig sind, ist ein weiteres Problem. Man hat dringend nötige Investitionen schlichtweg zu Gunsten einiger Megaprojekte (das Schlimmste ist Stuttgart 21 - ein Paradebeispiel von Korruption und Missmanagement) vernachlässigt.
Hinzu kommt der teils über Jahrzehnte andauernde Enteignungsprozess, weil sich irgendein renitenter Bauer weigert, ein paar Meter Feld zugunsten der Streckenerweiterung zu verkaufen. Ebenso die sehr hohen Ökoauflagen treiben Investitionskosten in die Höhe.
Darüber hinaus haben wir innerhalb des Bahnsystems einen wahnsinnigen Tarifwust, weil jeder Verkehrsverbund auf Länder,- teils sogar Kreisebene sein eigenes Süppchen kochen will.
All diese Probleme werden durch eine weitere Verdichtung des Streckensystems durch Züge mit anderer Flagge nicht gelöst, sondern noch verdichtet.
Die bisher privatisierten Bahnstrecken z.B. von der ERB, NWB, METRO und wie se alle heißen sind mit den ehrgeizigen Plänen von Flixtrain nicht zu vergleichen. Die fokussieren sich zumeist auf für die Bahn unrentablen Strecken. Aber auch hier wird das Problem der Privatisierung deutlich: Die Konzessionen für die Nutzung öffentlichen Eigentums wird komplett auf die Kunden umgewälzt. Ebenso zahlen die privaten Unternehmen so gut wie nichts für die Infrastruktur ein.
Gleiches Bild - nur viel dreister - ist man von den Energiekonzis mittlerweile gewohnt. Es bleibt immer beim Alten: Gewinne privatisieren, Kosten solidarisieren.
Dann kann man gleich auf reine Staatlichkeit setzen. Hier werden wenigstens keine Gewinne abgeschöpft und in Steuerparadiese geparkt.
Kritische Infrastruktur wird nie nach Marktmechanismen funktionieren. Oder kurz: Die Bahn wäre nie rentabel. Das neue Deutschlandticket ist auch nur eine Subvention. Das hätte der Staat von Anfang an machen können.
Die Bahn hat Strecken abgebaut und den Stahl verkauft der Schienen. Ich denke das sagt alles. Extrem kurzsichtig. Eine Bahnstrecke transportiert nicht einfach nur Menschen. Logistik ist das Rückgrat eines Landes und einer Wirtschaft. Und die DB ist marode.
Daran ändern mehr Marktteilnehmer nichts mehr. Denn es ist kein freier Markt. Und staatlich ist er auch nicht. Es ist was dazwischen wo sich niemand verantwortlich fühlt.
Wo siehst du denn bei der DB wie sie heute ist Möglichkeiten Konsument*innenorientiert zu handeln? Dir ist klar dass die DB auch profitorientiert ist?