An Silvester war die ganze Familie zusammen und ich habe mit meinem Vater zusammen gekocht. In meiner Familie ist ein bestimmtes Rezept für Rollbraten üblich, das von der üblichen Art es zu kochen abweicht. Viele aus der Familie haben aktiv darum gebeten das Familienrezept zu nutzen, da sie die andere Variante partout nicht mögen.
Mein Vater bestand jedoch beim kochen darauf es laut Kochbuch zu machen, also das Familienrezept zu ignorieren. Als ich ihn daran erinnerte, was abgesprochen war, flippte er aus und schnauzte rum, dass er jetzt nicht mit Sonderwünschen anfängt.
Ich hätte Verständnis dafür, ginge es darum, ein komplett anderes Gericht noch zu machen, aber es ging nur um Kleinigkeiten, die problemlos und ohne Aufwand machbar waren. Außerdem habe ICH den Rollbraten gemacht, mein Vater war nur für die Beilagen zuständig. Ich dachte ich kann einfach ungestört kochen, aber er hat sich permanent eingemischt.
Er meinte, man würde den Unterschied doch eh nicht schmecken. Ich schmecke es sehr wohl und es ist keine Kleinigkeit für mich, sondern mir wird wirklich kotzübel davon. Und wenn er es eh nicht schmeckt, ist es doch nur noch mehr ein Argument dafür, das Familienrezept zu verwenden. Weil für ihn dürfte es dann ja keinen geschmacklichen Nachteil haben und alle können das Essen dann genießen. Mein Vater schnauzte jedoch rum, wer sein Rezept nicht essen will, isst halt gar nicht und dass wir uns nicht so anstellen sollen.
Übrigens meckerte er auch bei allem anderen rum und wirklich jeder einzelne Schritt musste exakt so gemacht werden, wie er es will, obwohl es komplett egal war (laut BEIDEN Rezepten). Und er lästerte über das Familienrezept, was ich total respektlos gegenüber meinem Opa empfand, der früher immer das Essen kochte und von dem alle schwärmen. Mein Opa kann wegen Parkinson nicht mehr kochen, darum haben wir es diesmal gemacht.
Ich war kurz vorm heulen, weil ich mich gefühlt habe, als wäre ich komplett egal und mich einfach machtlos fühlte. Wenn ich ihm gesagt hätte, dass sein Verhalten gerade völlig inakzeptabel ist (vor allem die Tonart und dass nur seine Meinung zählt), hätte er mich wahrscheinlich von der Familienfeier ausgeladen.
Ich war auch sauer auf meine Mutter, weil sie (wie immer) nur passiv daneben stand. Er ist ihr Mann, sie sollte eine Grenze ziehen, wenn sein Verhalten daneben ist. Doch sie tut es nie, obwohl sie sonst so selbstbewusst ist. Von früher weiß ich, dass sie stets seine Seite wählt, selbst wenn er falsch liegt und auch jeden beleidigt.
Jedenfalls war ich emotional komplett am Ende. Er hingegen hat sich verhalten, als wäre nichts gewesen. Ich hab mich im Bad eingeschlossen und geheult und Panikattacken bekommen beim Gedanken, ihn gleich wiedersehen zu müssen. Und als das Essen dann vielen tatsächlich nicht geschmeckt hat, hab ich mich richtig geschämt.
Wie hätte ich mich verhalten sollen? Habt ihr einen Rat, wie man so eine Situation handhaben kann?
Ich hab das Gefühl, egal was man tut, es ist falsch. Widerspruch hätte zur Eskalation geführt. Einfach weggehen hieße, nicht mitfeiern zu können. Es hinzunehmen hat zu Panikattacken und Selbsthass geführt. Deshalb bin ich völlig ratlos und weiß nicht, wie ich so was in Zukunft handhaben soll. Ähnliche Vorfälle gibt es mindestens dreimal im Jahr. Kontaktabbruch ist schwierig, da die gesamte Familie sehr eng verbunden ist und ich den Rest der Familie mag.