Meinung des Tages: Haltet Ihr Social-Media-Sucht für ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem?
(Bild mit KI erstellt)
Immer mehr Jugendliche verlieren sich stundenlang im Scrollen – und schaffen den Absprung allein nicht mehr. Ärztinnen sprechen inzwischen von einer echten Sucht.
Wenn Likes zur Droge werdenSocial Media war einmal Freizeit – heute ist es für viele Zwang. Laut einer aktuellen Studie der DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sind mehr als ein Viertel der Jugendlichen in Deutschland mediensuchtgefährdet, ein Anstieg von 126 Prozent seit der Pandemie. Die Tagesschau porträtiert Betroffene wie Toni Nolde, 25, die nach Jahren auf Instagram und TikTok den Entzug geschafft hat. Sie sagt: „Ich war krank, nicht einfach nur online.“ Expertinnen und Experten berichten von Schlafstörungen, sozialem Rückzug und zunehmenden Depressionen als Folge exzessiver Nutzung.
Eltern in Alarmbereitschaft„Das ist die aktuell größte Sorge aller Eltern“, sagt Verena Holler von der Initiative Smarter Start. Viele Familien erleben, wie ihre Kinder kaum noch offline leben können – beim Essen, in der Schule, selbst nachts. Therapeut Michael Kroll vom Helios Park-Klinikum Leipzig erklärt: „Wenn Freunde, Hobbys und Familie durch Medien verdrängt werden, ist das ein Warnzeichen.“ Der Entzug dauere oft Monate – meist komplett offline. In Leipzig gibt es mit „Teen Spirit Island“ bereits eine spezialisierte Klinikstation, die ausschließlich Jugendliche mit Mediensucht behandelt.
Zwischen Kontrolle und FreiheitPolitik und Gesellschaft suchen Antworten. Der Bundesbeauftragte für Suchtfragen, Hendrik Streeck, fordert Aufklärung und altersgerechte Prävention statt Verbote. Ex-Userin Toni Nolde hilft heute anderen beim Ausstieg – sie sagt, was vielen Mut macht: „Es geht. Aber man muss es wirklich wollen.“ Die Diskussion bleibt: Wie viel digitale Nähe tut uns gut – und ab wann wird sie zur Falle?
Unsere Fragen an Euch:- Wann wird Social Media zur Sucht – und merkt man das überhaupt rechtzeitig?
- Wer trägt die Hauptverantwortung für Prävention?
- Können wir heute überhaupt noch „offline leben“ – oder ist das illusorisch?
49 Antworten
Der Ansatz von social Media war durchaus gut, als es auf dem Markt kam und mit dieser krankhaften Entwicklung konnte man so nicht rechnen.
Junge Menschen haben heute teils die Aufmerksamkeitsspanne eines Eichhorn, kein Wunder, wenn Reels in 20 Sekunden durch sind.
Social Media ist das Gift unserer Gesellschaft und vermittelt ein Bild, was nicht real ist! Niemand wohnt in einer super gestylten und nur für das Video oder Bild aufgeräumten und perfekt beleuchteten Wohnung. Niemand hat so viel Geld, wie durch solche Videos vermittelten Eindrücke und niemand hat so "perfekte" Partnerschaften, wie diese oft gezeigt werden. Das Problem ist, gerade junge Menschen lassen sich aufgrund ihrer nicht vorhandenen Lebenserfahrung davon in die Irre führen und glauben genau das, was sie sehen.
Ein Verbot führt m.M.n. jedoch nicht zum Ziel, sondern nur dazu, dass es dann heimlich gemacht wird. Hier wäre ein generelles Umdenken in der Gesellschaft und deutlich mehr Aufklärung wichtig, damit das Leben wieder mehr offline stattfindet. Wenn ich Mütter sehe, die beim Stillen oder füttern der Kinder stumpf dabei ins Handy gucken, während das Kind verzweifelt versucht, Augenkontakt herzustellen, wird mir schlecht!
Vielen Dank, dass Du Deine Meinung mit uns geteilt hast!
Social Media besteht ja nicht nur aus Influencern etc. es gibt auch genügend Möglichkeiten sich über diese Kanäle auszutauschen und auch unliebsame Wahrheiten einer größeren Gruppe zugänglich zu machen. Daher ja, Social Media Kanäle sind wichtig, etwas Aufklärung von Seiten der Eltern und der Schule, kann hilfreich sein, wenn hier nicht einseitig Einfluss genommen wird bei heranwachsenden. Erwachsene können selbst entscheiden was sie konsumieren wollen oder mit wem sie etwas teilen wollen. Social Media ist eben auch ein Teil der Öffentlichkeit und lässt eben auch mal andere Ansichten zu als der Mainstream versucht vorzugeben.
Ich halte Social Media Sucht tatsächlich für ein ernstes gesellschaftliches Problem, weil sie so leise beginnt. Niemand stellt sich hin und sagt von heute auf morgen, dass er abhängig ist. Es passiert in kleinen Schritten. Jedes Scrollen, jedes Like, jede kurze Ablenkung gibt dem Gehirn einen kleinen Belohnungsreiz. Mit der Zeit entsteht ein Bedürfnis danach, das man kaum noch bewusst steuern kann. Viele merken erst, dass etwas nicht stimmt, wenn sie sich ohne Handy unruhig oder leer fühlen.
Besonders schwierig ist, dass Social Media etwas anspricht, das zutiefst menschlich ist. Wir wollen gesehen werden, dazugehören und uns verbunden fühlen. Plattformen liefern das in Sekunden, aber eben nur oberflächlich. Es ersetzt keine echte Nähe, sondern verstärkt oft Unsicherheit und Vergleiche mit anderen. Wenn man ständig Bilder oder Erfolge anderer sieht, fühlt sich das eigene Leben schnell unzulänglich an.
Die Verantwortung trägt niemand allein. Eltern, Schulen, Politik und auch die Plattformen selbst müssen sensibilisieren und aufklären. Jugendliche brauchen Menschen, die ihnen erklären, wie diese Apps funktionieren und welche Mechanismen dahinterstecken. Und wir Erwachsene sollten selbst ein Vorbild sein und zeigen, wie ein bewusster Umgang aussehen kann.
Ein vollständig offline geführtes Leben ist heute kaum realistisch. Aber ein bewusstes Leben ist möglich. Pausen einbauen, Benachrichtigungen reduzieren, Zeiten festlegen, in denen das Handy nicht genutzt wird, und sich immer wieder fragen, ob einem die App gerade gut tut.
Social Media ist nicht grundsätzlich schlecht. Aber es fordert von jedem von uns mehr Klarheit und Selbstverantwortung. Wer lernt, den Bildschirm auch einmal beiseitezulegen, gewinnt oft erstaunlich viel Ruhe und Freiheit zurück.
Danke für Deinen differenzierten Beitrag zur Meinung des Tages!
vollständig offline geführtes Leben
Offline bezog sich eigentlich auf das Diskussionsthema. Die Frage ist also, ob ein Sozialleben vollständig offline geführt werden kann und das tut es durchaus.
Hey,
ich denke, ist wie bei jeder Sucht, man merkt es erst, wenn es zu spät ist.
Die Hauptverantwortlichen bei Jugendlichen sind definitiv die Eltern und zum kleineren Teil evtl. noch Schule, also Lehrer.
Auf Dauer ist das sicher illusorisch, vor allem wenn nun die Digitalisierung in Deutschland doch vorangeht. Machbar wäre es vielleicht, aber sicher zunehmend schwierig.
Social Media-Plattformen sind ja auch darauf ausgelegt, dass die User stetig präsent sind, immer das Gefühl haben, sie würden etwas verpassen.
Und ja, ich halte es für ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem, sieht man ja a) an der stetig kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne und b) werden immer mehr, auch junge Leute, kurzsichtig.
Außerdem, wenn sich schon in jungen Jahren in die virtuelle Welt flüchten, wie sollen sie da mit einer zunehmend schwierigeren Realität zurecht kommen?! LG. :)
Das ist sicher schwierig, aber ich denke, sie sollten ihren Nachwuchs erstens schon möglichst früh aufklären, vor allem was sog. Freundschaften im Netz bedeuten und was für Folgen das gedankenlose Hochladen von persönlichen Bildern angeht.
Auch über Inhalte sollte aufgeklärt werden, wobei das Verbieten gewisser Seiten schier unmöglich scheint, denn dann sehen es die Kids eben bei Anderen auf dem Schulhof etc.
Auch sollte, bis zu einem gewissen Alter, nachgeprüft werden, was die Kinder so treiben im Netz. Hat man diese einfühlsame Aufklärung betrieben, kommt es auf den Nachwuchs an, wie viel Vertrauen man in ihn haben kann.
Ansonsten wäre noch die Beschränkung der Stundenzahl im Netz denkbar. Da gibt es ja auch solche Kindersicherung-Apps, eben auch bis zu einem gewissen Alter.
Und - Eltern sollten sich genügend Zeit für ihre Kinder nehmen und mit ihnen spielen, Offline-Beschäftigungen machen, raus in den Wald gehen und auf gar keinen Fall, auch wenn das vielleicht praktisch erscheint, das Smartphone, oder den Laptop zur Ruhigstellung verwenden.
LG. :-)
Und - Eltern sollten sich genügend Zeit für ihre Kinder nehmen und mit ihnen spielen, Offline-Beschäftigungen machen;
wenigstens einer der Pädagogik verstanden hat unsere echte Biologie basiert auf Wahrnehmung mit Sinnen der ECHTEN Realität, was soll man ohne Realität wahrnehmen?
Wann wird Social Media zur Sucht – und merkt man das überhaupt rechtzeitig?
Ich denke das man bei den Meisten Süchten nicht merkt das man abhängig wird. Wen wir jetzt mal von Drogen absehen die sehr schnell körperlich abhängig machen ist das ganze schlichtweg ein Prozess.
Können wir heute überhaupt noch „offline leben“ – oder ist das illusorisch?
Das halte ich für relativ Illusorisch. Viele dinge des Alltags sind Mittlerweile ja schlichtweg Ditigal. Was oft auch durchaus gut ist. Wenn man z.b. für die Steuererklärung keine Zettelwirtschaft mehr braucht. usw.
Das Problem ist nach meiner Ansicht nicht unbedingt das Online sein an sich. Sondern eben die teile die den Sozialen Alltag bestimmen.
Und hier haben sich gewisse dinge durchaus mit der Zeit eingeschlichen. z.b. das eben ein gewisser Sozialer druck für die Nutzung von Social media existiert. Das man mit Kurzform Content super einfach haufenweise zeit totschlagen kann. Und die wirkung warscheinlich ähnlich der des Zuckers ist. Schnelles Kurzes high.
Auch dinge wie Foto Filter und das es Menschen gibt die keine Fotos mehr von sich machen ohne nen Filter zu benutzen. Sehe ich als problematisch an.
All diese dinge zusammen führen dann eben zu entsprechenden Problemen.
Prinzipiell ist es durchaus möglich das man sich dem grösstenteils fernhalten kann. Aber das hat dann ggf. entsprechende kosten weil das Umfeld das eben nutzt und man dann quasi nicht mit dabei ist.
Wann wird Social Media zur Sucht
Social Media wäre eine Nicht-substanzbezogene Sucht und für diese gibt es Merkmale wie:
- Diese sind zum Beispiel, wenn man anfängt Mitmenschen oder wichtige Aufgaben zu vernachlässigen, DAMIT man mehr auf Social Media ist.
- Entzugserscheinungen beim nicht vorhanden sein von Social Media
- Kontrollverlust
- usw.
und merkt man das überhaupt rechtzeitig?
Nein, aber das ist bei fast jeder Sucht so.
Wer trägt die Hauptverantwortung für Prävention?
- Elternhaus
- Eigenverantwortung
- Bildungsinstitute
Vielen Dank, dass Du Deine Sicht mit uns geteilt hast. Wie denkst Du, sollten Eltern am besten vorgehen?